„Als Person wäre er definitiv ein James Bond“, schmunzelt Reiterin und Besitzerin Charlotte Dujardin. „Er sieht so gut aus. Er wäre der, der am Ende des Films aus dem Meer kommt und mit seinen Muskeln beeindruckt – wie James Bond.“ Die britische Olympiasiegerin schwärmt von dem Hannoveraner Secret/De Niro-Sohn Secret Agent, dem Sieger der Qualifikation der siebenjährigen Dressurpferde bei der FEI WBFSH Weltmeisterschaften für junge Dressurpferde in Verden, dem Preis von Iwiccy Dressage.
Mit 86,20 Prozentpunkten war der Sieger aus der Zucht der ZG Nicole und Friedrich Sievers nicht das Pferd mit der höchsten Qualitätsnote, da lagen sowohl der Zweit-, Dritt- als auch der Viertplatzierte noch ein bisschen höher. Auslöser dafür war die nach unten abweichende Schrittnote. 9,2 erhielt Secret Agent für den Trab, 9,0 für Galopp und Durchlässigkeit, 8,9 für die Perspektive, aber nur eine 7,0 für den Schritt. Bei den Siebenjährigen kommen aber auch die Bewertungen der Richter bei H und B für die technische Ausführung hinzu. In der Technik punkteten Charlotte Dujardin und Secret Agent mit 76,607 und 73,571 Prozent, im Schnitt mit 75,089 Prozent, am höchsten und setzten sich so mit einer Gesamtwertnote von 80,645 Prozent an die Spitze des Starterfeldes.
„Ich habe Secret Agent gekauft, als er zwei war, und reite ihn seitdem er drei war“, erzählt Charlotte Dujardin. Secret Agent ist Hengst, aber er steht nicht im Deckeinsatz. Charlotte hat lediglich einige Samenportionen von dem Secret-Sohn eingefroren, ansonsten konzentriert er sich ganz auf den Sport. „Ich liebe dieses Pferd wirklich, ihn und seine Möglichkeiten, seinen unglaublichen Charakter und die Art wie er sich ausbilden lässt. Ich habe noch nie ein Pferd geritten, das von Natur aus so geschmeidig und elastisch ist. Er bringt mich jeden Tag zum Lächeln.“ Der Hengst sei bisher nur auf sehr wenigen Turnieren gewesen, darunter die diesjährige britische Meisterschaft für siebenjährige Pferde, die er gewann, und habe sicher noch nie so eine Arena oder Atmosphäre erlebt wie in Verden. „Das Tolle ist: Wir haben eine so immense Partnerschaft. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent und ich wusste, er wird da drinnen in der Arena sein Bestes geben.“ Es seien noch etwas ‚grüne‘ Momente in der Aufgabe gewesen, aber für die wenige Erfahrung habe er sich wunderbar bewiesen. „Ich freue mich sehr über seine Prüfung heute, aber das Ziel ist mit diesem Pferd ein anderes, das Ziel ist der Grand Prix-Sport.“
Auf Platz zwei folgte die dänische Vize-Weltmeisterin des vergangenen Jahres: Brandtbjergs Divya v. Hesselhoej Donkey Boy, aus einer Don Olymbrio-Mutter gezogen von Brandtbjerggaard/Familie Buhl. Maibritt Rosenkilde kaufte die Stute nach ihrem WM-Erfolg im vergangenen Jahr, seither sitzt die jetzt 20-jährige Theresa Rosenkilde in ihrem Sattel und stellt sie auch bei der WM vor. „Sie ist so ein tolles Pferd und sie hat sich in der Arena voll auf mich konzentriert. Ich bin so happy.“ Das Ziel sei gewesen, bei der WM dabei zu sein, Platz zwei in der Qualifikation sei einfach nur unglaublich. Mit großem Gleichmaß wurde die Qualität der Stute beurteilt: Viermal schlug die 8,8 zu Buche, lediglich für den Galopp gab es die 8,6. In der technischen Bewertung lag das Mittel bei 72,68 Prozent, die Endwertung betrug somit 80,140 Prozent.
Mit 79,593 Prozent folgte KWPN-Stute Odi Murona unter Tessa Kole auf Platz drei. Die Tochter von Blue Hors Farrell, aus einer Johnson-Mutter gezogen von J.j.m. van de Broek, hat mit 87,40 Prozent die zweithöchste Qualitätsnote des gesamten Feldes. „Ich reite sie seitdem sie drei war“, erzählt Tessa. „Ich habe sie schon in einigen Jungpferdeprüfungen geritten und sie ist einfach immer toll. Sie hat eine wunderbare Einstellung. Sie war das erste Mal in einer so großen Arena, aber sie war absolut konzentriert.“
Secret x De Niro – das war bei den siebenjährigen Dressurpferden in Verden eine Erfolgsformel. Sowohl der Sieg als auch der Viertplatzierte wiesen genau diese Abstammung vor. Auf Platz vier landete Schatzmeister MZ OLD (Z.: Ewald Grotelüschen, Bes.: Mandy Zimmer) unter Ann-Christin Wienkamp. Ein Paar, das schon bei der WM im vergangenen Jahr mit Platz fünf im Finale der Sechsjährigen auf sich aufmerksam gemacht hat. Doppel-Weltmeister Red Viper musste sich in der Qualifikation unter Dinja van Liere mit Platz acht begnügen, hat aber auch den direkten Sprung ins Finale geschafft.
41 Siebenjährige haben sich in der Qualifikation um einen Finalplatz beworben. Die zwölf Besten haben sich direkt für das Finale am Sonntag qualifiziert. Drei weitere Finaltickets werden im Kleinen Finale am Samstag vergeben, so dass die besten 15 der siebenjährigen Dressurpferde im Finale am Sonntag aufeinandertreffen und um den Weltmeistertitel wetteifern.
Text: Kim Kreling