Para-Dressur: Talentpool-Förderpatenschaft für Melanie Wienand

Lemony's Loverboy und Melanie Wienand (Foto: Lafrentz/Archiv)

Es gibt Geschichten im Sport, die weit über Medaillen und Erfolge hinausgehen. Die Geschichte von Melanie Wienand ist eine davon. Die Para-Dressurreiterin aus Arnsberg erhält künftig im Rahmen des Talentpools für Förderpatenschaften der Stiftung Deutscher Pferdesport Unterstützung durch eine Spendergemeinschaft und damit Rückenwind für ihren außergewöhnlichen Weg zurück ins Leben und an die internationale Spitze des Para-Sports.

Pferde begleiten Melanie Wienand schon seit ihrer Kindheit. Erst das Voltigieren, später das klassische Reiten im kleinen Reitverein im Sauerland – schon früh war klar, dass Pferde mehr für sie sind als nur ein Hobby. Während ihres Studiums in Osnabrück finanzierte sie sich ihren Lebensunterhalt, indem sie Pferde anderer Menschen ritt. Aus kleinen Möglichkeiten wurden große Chancen: Es folgte ein Aufenthalt in Amerika, bevor sie 2008 schließlich als Auktionsreiterin in Verden arbeitete.

Innerhalb kürzester Zeit machte sich Melanie in der Pferdeszene einen Namen. Ihr Gefühl für Pferde, ihr Talent und ihre Ausstrahlung im Sattel begeisterten Züchter und Besitzer gleichermaßen. Noch wenige Wochen vor ihrem schweren Unfall präsentierte sie den Ausnahmehengst Lemony’s Nicket auf der Elite-Auktion – damals das teuerste verkaufte Reitpferd Deutschlands.

Dann kam das Jahr 2011. Ein Reitunfall veränderte von einem Moment auf den anderen alles. Melanie Wienand erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, lag vier Wochen im Koma und musste danach praktisch bei null anfangen. Sprechen, Schreiben, Gehen. Alles musste sie neu lernen. Noch heute lebt sie mit Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Doch wer Melanie kennt, weiß: Aufgeben war nie eine Option. Der Weg zurück begann vorsichtig. Mit einem Rollator fuhr sie zu einem Islandpferdehof, um erstmals wieder auf einem Pferd zu sitzen. Anfangs war es ein ungewohntes Gefühl, auf Hilfe angewiesen zu sein. Aber schon in diesen ersten Momenten wurde ihr klar: Auf dem Pferd fühlt sie sich zuhause.

Eine ganz besondere Rolle spielt dabei ihr Pferd Lemony’s Loverboy v. Lemony’s Nicket/Fürst Piccolo (Z.: Volker Stoffers, Münser) . Ausgerechnet von jenem Hengst, den sie kurz vor ihrem Unfall noch selbst auf der Auktion vorgestellt hatte, wollte sie unbedingt ein Fohlen besitzen. So kaufte sie Loverboy bereits als junges Pferd, ohne zu ahnen, welche gemeinsame Reise vor ihnen liegen würde.

Heute verbindet die beiden weit mehr als Sport. Melanie beschreibt ihre Beziehung zu Loverboy gern wie eine Ehe: mit Höhen und Tiefen, manchmal auch kleinen Streitereien, aber mit grenzenlosem Vertrauen. Gemeinsam kämpften sie sich bis an die internationale Spitze des Para-Dressursports. Es folgten Einzel-Bronze und Team-Silber bei der Europameisterschaft in Riesenbeck, die Berufung als Reserve für die Paralympics in Paris und zuletzt Team-Gold bei der EM in Ermelo.

2024 wurde Melanie Wienand für ihre außergewöhnliche Geschichte und ihre Leistungen als Behindertensportlerin des Jahres ausgezeichnet. Trotz ihres enormen Trainingspensums gehören auch heute noch mehrmals wöchentlich Physiotherapie und tägliche Arbeit an ihrem Körper zu ihrem Alltag.

Mit der neuen Talentpool-Förderpatenschaft erhält sie nun Unterstützung von Menschen, die an sie und ihren Weg glauben. Für Melanie bedeutet diese Förderung weit mehr als finanzielle Hilfe. Sie ist Anerkennung, Motivation und ein Zeichen dafür, dass sich Kämpfen lohnt. Besonders wichtig ist ihr dabei, anderen Menschen Mut zu machen. Gemeinsam mit Regine Mispelkamp gründete sie die Initiative „100 für 100“, die den Para-Sport sichtbarer machen und ein Zeichen für Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen möchte. Mit viel Leidenschaft und persönlichem Einsatz suchen die Beiden dafür kontinuierlich Unterstützer, die ihre Vision mittragen und den Para-Sport auch international weiter nach vorn bringen möchten. Melanie Wienand beweist jeden Tag, dass selbst nach schwersten Rückschlägen neue Wege entstehen können. „Man muss daran glauben und den Mut behalten“, sagt sie. Und genau das lebt sie eindrucksvoll vor.

Quelle: www.pferdesport-deutschland.de

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