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Die Entwicklung der Reitpferdezucht in Hessen

Mit wachsender Beliebtheit des Reitsports vollzog sich folgerichtig die Verbreiterung der Zuchtgrundlage. Die Zahl der in die Verbandsregister eingetragenen Stuten nahm seit 1965 ständig zu. Entscheidend für die Verbandsarbeit war jedoch, dass der prozentuale Anteil der jungen Generation am Gesamtstutenbestand auf Kosten der älteren Stuten stieg. Dies war gleichbedeutend mit der wünschenswerten Ausmusterung von weiblichen Tieren, die den geforderten Typvorstellungen nicht mehr gerecht wurden. Von Generation zu Generation zeichnet sich nun ein Zuchtfortschritt ab.

Altmodische, derbe Pferde mit großen Köpfen und geradem, festem Rücken sind praktisch von der Bildfläche verschwunden. Stattdessen sind sportliche, wohlproportionierte Pferde, die Adel und Ausdruck, gute Reitpoints, ein klares Fundament und reelle Grundgangarten besitzen zu sehen. Viele Pferde sind deutlich blutgeprägt, ohne Einbußen in den Temperaments- und Reiteigenschaftenzu zeigen. Im Gegenteil, gerade die Rittigkeit und Sporteignung der hessischen Pferde sind mindestens in gleicher Weise gefördert und verbessert worden wie der Typ und das Exterieur.

Mit wissenschaftlicher Fachberatung (Institut für Tierzucht der Universität Gießen) absolvierte der Vergand das "Projekt Hessenpferd". Hierzu gehört die Erfassung und Veröffentlichung wichtiger Qualitätsmerkmale der Zuchtpferde und ihrer Nachkommen. In Zeiten gesättigten Marktes und Wandels im Sportbereich muss der Qualitätsgedanke neu in den Vordergrund treten. Diesen Anspruch an überdurchschnittliche Qualitätserwartungen nicht nur an das Zuchtprodukt Reitpferd, sondern schon an die Anpaarung der Stute zu stellen, ist die Grundlage des Projekts. Aus den Ergebnissen des Rittigkeitstests („Hessentest“) wurde mittels Zuchtwertschätzung eine strategische Anpaarung entwickelt, die einen überdurchschnittlichen erwarteten Zuchtwert bei jedem Fohlen zum Ziel hatte.

Weiter entwickelt hat sich das Zuchtprogramm auch durch das Leistungsprüfungswesen und verschiedene Maßnahmen der Positivselektion. Nicht zuletzt die Vergabe der Titel „Elitestute“, „Verbandsprämienstute“ und „Prämienhengst“ neben der klassischen „Staatsprämienstute“ unterstützten die züchterisch sinnvolle Selektion.

Die seit 2005 unter dem Hannoveraner Verband sich weiterentwickelnde Pferdezucht ist für die Zukunft gerüstet. Planmäßig aufgebaute Abstammungen mit wertvollsten Blutlinien vervollständigen das Erscheinungsbild der jungen Pferde und bietendem Reitsport vielfache Perspektiven.